Reisebericht Ephesos

Mit Hihawai zur Stadtbesichtigung nach Ephesos

Ein Ausflug in die spektakuläre Ruinenstadt Ephesos in der Nähe des Urlaubsortes Kusadasi an der türkischen Ägäis ist eine heiße, aber kurzweilige Abwechslung von den Tagen zwischen Strand und Poolbar. Auch die Kreuzfahrer besuchen Ephesos nicht ohne Grund scharenweise. Unser Reisebericht:
Im Theater von Ephesos
Weitere BilderLady in red visits Celsus Bibliothek
Lady in red visits Celsus Bibliothek Bildrechte: in Reisefotografie
Latrinen von Ephesos
Latrinen von Ephesos Bildrechte: in Reisefotografie
Im Reisebus die ersten näheren Informationen: "Ephesos war die erste und größte Metropole Asiens. Sie wurde wohlhabend aufgrund des Handels und der Schifffahrt."

Schifffahrt, Verdammt, wo ist denn hier das Meer?

Wie fahren bestimmt schon 20 Minuten, seit ich das Meer das letzte Mal gesehen habe!
"Der Untergang der Stadt begann im 3. Jahrhundert als der Hafen versandete und das Meer verschwand."
Ach so, aber eigentlich nicht vorstellbar. Das war vor 1700 Jahren. Das die Erde vor einigen Millionen Jahren anders ausgesehen hat, daran habe ich mich ja gewöhnt, aber das hier war doch erst vor kurzem.

Wir fahren in weitem Bogen um die Metropole herum, um uns von der Landseite her zu nähern, streifen dabei Selcuk, das nicht besonders einladend aussieht, springen noch schnell in die Johanneskirche. Dort sollen der Apostel Johannes und die Jungfrau Maria ihren Lebensabend verbracht und an dem Evangelium gebastelt haben.


Hilfe - lauter Österreicher

Vor den Toren der Stadt Ephesos angekommen, haben wir erst einmal Freizeit. Die Reiseführung muss die Eintrittskarten kaufen. Wir brauchen Gelegenheit, T-Shirts an den Souvenirständen zu erwerben. Ich finde jedoch trotz bester Absicht keines, was mir auch nur einigermaßen gefällt. Außerdem: Ich bin doch nicht blöde und schleppe die Mitbringsel durch ganz Ephesos.
Dann öffnen sich die Tore für uns Reisende. In einem Strom werden die Besucher hineingedrückt und durcheinander gespült. Plötzlich befinde ich mich in einer österreichischen Reisegruppe. Oh Schreck! Schnell weg.
Doch auf dem weiten Platz hinter den Kassenhäuschen finden alle wieder zueinander.

Manche Dinge ändern sich eben nie...

Vor dem Odeion erfahren wir von den Gebräuchen der damaligen Demokratie. Die Politiker wohnten abgeschottet von der niedrigen Bevölkerung in der Oberstadt. Dort hatten sie ihr eigenes kleines Reich und dort oben wurden über den Köpfen der Bevölkerung die Geschicke der Stadt gelenkt.
Mehr brauche ich an dieser Stelle nicht zu hören. Dann geht es in die Unterstadt. Der steile Abstieg war in der Antike vielleicht überdacht. Jetzt brennt die Sonne gnadenlos auf den Marmor. Ein wenig Schatten würde uns allen gut tun.


Die besten Geschäfte machte die Ephesser auf dem Klo.

Rechts die Latrinen. Ein quadratischer Bau bot ca. 40 Leuten Platz. Sie hockten auf einer Steinbank mit einem Loch unter ihrem Hintern. Fliesendes Wasser darunter spülte auch die üblen Gerüche weg. Das soll so bequem gewesen sein, dass manche Geschäftsleute einfach den ganzen Tag sitzen blieben. So wurden die Latrinen wohl das erste Großraumbüro der Geschichte, After Work Party direkt am Platz gleich eingeschlossen oder im Bordell ein paar Häuser weiter. Beeindruckend!

Nichts zu sehen, wo die Archäologen pinseln

Links die Hanghäuser. Zu sehen ist hier eigentlich nichts. Ein paar Steine am Boden. Die Hanghäuser sind unter einem Dach verschwunden. Die Archäologen haben da bestimmt sogar eine Klimaanlage drin. Denn hier wird immer noch kräftig gegraben. Die Archäologen sagen, dass sie hier beeindruckende Funde gemacht haben, dass die Hanghäuser die großstädtische Wohnkultur des gehobenen Bürgertums widerspiegeln würden. Aha!

Damit auf das Meer schauen nicht langweilig wird: Erst in die Bibliothek, mal schnell ins Bordell und ab in das Theater.

Dann die Celsus Bibliothek. Bilder davon habe ich schon irgendwo gesehen - ohne zu wissen, was es ist. Da schon wollte ich dieses beeindruckende und faszinierende Gebäude direkt in Natura besichtigen. Nun stehe ich davor. zumindest vor der Front des antiken Gebäudes. Mehr ist nicht mehr da.
Wir werden wieder auf das Bordell aufmerksam gemacht, das direkt gegenüber lag. Geschäftstüchtig diese Bordellbetreiber.
Die Bibliothek soll bis zu 12.000 Bücher beherbergt haben, was ja heute nichts Besonderes ist - nur zum Vergleich: Bock und Seip haben 60.000 vorrätig. Nur und das ist der kleine Unterschied: die Ephesser hatten noch gar keine Bücher, die hatten noch Schriftrollen!
Wir kommen zum großen Theater. Dazu kann ich nichts sagen. Weil mir der Mund offen stehen bleibt. Da war mal ein Hügel. Vor langer Zeit. An den Hang des Hügels schmiegen sich die Tribünen für 24.000 Zuschauer. So konnten die Reeder, die auf ihre Schiffe warteten, auf das Meer hinausschauen und gleichzeitig dem Spiel lauschen. Der Meerwind trug die Stimmen der Schauspieler an jeden Platz und sorgte für angenehme Kühlung.

Und dann spült mich Ephesos wieder aus - über die Hafenstrasse, wo schon vor 1700 Jahren Seeleute, Kaufleute, Politiker, Apostel und Kaiser wandelten. Nur: Die stiegen damals am Hafen auf ihr Schiff und segelten nach Ägypten, Jerusalem und Rom. Ich dagegen steige auf dem Parkplatz in den Reisebus nach Kusadasi. Aber wo ist der Unterschied?

Links

Reisebericht von Hihawai, bei Hihawai.com veröffentlicht am 2003-10-30T15:30
Letzte Änderung: 9.0.2017 um 1:9 Uhr

Ephesos, Ruine, Ausflug, Reisebericht, Kusadasi, Ausgrabung, Celsus Bibliothek, Bücher, Bordell, Latrine, Demokratie,

[ Zurück ]

Diese Artikel könnten Dich auch interessieren

Herbstlicher Familienausflug mit der Ehrwalder Almbahn

Perfekt für eine Jause: das Tirolerhaus by Ehrwalder Almbahn/FroZenLights
Perfekt für eine Jause: das Tirolerhaus Bildrechte: in Reisefotografie

Mit dem Bollerwagen über Stock und Stein: Der Herbst in den Tiroler Alpen ist besonders schön für einen Ausflug mit der ganzen Familie, zeigt sich hier die Natur vor dem nahenden Winter noch einmal von ihrer malerischsten Seite. Von den letzten warmen Sonnenstrahlen begleitet, geht es von der Bergstation der Ehrwalder Almbahn auf eine muntere Wanderung, etwa zum Igelsee, zur Hochfeldernalm oder zum Seebensee. Dabei sind viele der Wege nicht nur für Kinderfüße geeignet, sondern können auch mit Kinder- und Bollerwagen befahren werden. Die verdiente Jause wartet im Anschluss im Tirolerhaus, das nicht nur top Berggastronomie, sondern auch einen herrlichen Panoramablick auf die umliegenden Berge verspricht. Das passende Familienticket der Ehrwalder Almbahn kostet beispielsweise für Eltern mit zwei Kindern 39 Euro.


Weiter...

Erlebnisreiche Tage mit dem Kinderstadtführer Saarbrücken

Sankt Arnual vom Halberg aus by Hihawai
Sankt Arnual vom Halberg aus Bildrechte: in Reisefotografie
"Mama, mir tun die Füße weh…“ „Oh nein, nicht noch eine Kirche!" Mit der ganzen Familie auf Städtetour in Saarbrücken? Das passt für viele nicht unbedingt zusammen – dabei kann es jede Menge Spaß machen, wenn man sich im Vorfeld ein paar Gedanken rund um die Gestaltung der Erkundungstour macht. Ein Kinderstadtführer mit Touren- und Besichtigungsvorschlägen, der für Kinder geschrieben ist und sie so für die Entdeckung Saarbrückens begeistert, scheint uns da eine prima Hilfe.
Weiter...

Insel Kos: Ausflug nach Nisyros

Uferpromenade mit Johanitterburg und Kloster by Hihawai
Uferpromenade mit Johanitterburg und Kloster Bildrechte: in Reisefotografie
Schon von weitem erkennt man den vulkanischen Ursprung von Nisyros (auch Nissiros). Aber nicht zu sehen ist das riesige Tal des Kegeleinsturzes im Inneren. Die Nachbarinsel von Kos verfügt über kein eigenes Trinkwasser. Daher wird sie meistens nur als Ausflugsziel von den auf den Nachbarinseln wohnenden Touristen frequentiert. Diese bleiben dann meistens nur für einen Tag, besuchen das berühmte Kloster in Mandraki und die Caldera, um ein wenig Schwefel zu schnuppern.
Weiter...

Noch einmal Sonne tanken - an Comer See, Luganer See und Lago Maggiore

Ausblick Grand Hotel Imperiale: Comer See by Hihawai
Ausblick Grand Hotel Imperiale: Comer See Bildrechte: in Reisefotografie
Ja, der Herbst hat angefangen und der Winter ist nicht mehr weit: Morgens und Abends ist es schon eiskalt, und tagsüber wird es auch nicht richtig warm. So haben wir beschlossen, noch einmal Sonne zu tanken; nicht weit weg. Und nur für ein Wochenende. Da ist das Gebiet an Comer See, Luganer See und Lago Maggiore genau das Richtige.
Weiter...

Forio d' Ischia - wo Tennesee Williams, Truman Capote und Igor Strawinski Urlaub machten

Warten auf den grünen Strahl (Sonnenuntergang in Forio) by Hihawai
Warten auf den grünen Strahl (Sonnenuntergang in Forio) Bildrechte: in Reisefotografie
Einige Urlaubsziele preisen sich damit an, dass es sich um "gewachsene Dörfer" handelt. Und das nur, weil vor 20 Jahren an dieser Stelle 2 Fischerhütten standen. Forio Ischia kann über so etwas nur lachen: Gegründet wurde Forio schon von den Griechen; Forio war Schauplatz des Friedensvertrages von Lepidus, Marc Anton und Oktavian; Im Mittelalter organisierte man von hier die Inselverteidigung, indem man auf jede Klippe einen Wachturm stellte. Ab den 50er Jahren avancierte Forio zum kulturellen Zentrum der Insel. Es galt als Quelle der Inspiration.

Weiter...

Eifeler Weihnachtsmarktromantik

Das Burghaus Kronenburg am Weihnachtsmarkt by Udo Haafke
Das Burghaus Kronenburg am Weihnachtsmarkt Bildrechte: in Reisefotografie
Kronenburg, das Dörfchen oberhalb der Kyll zwischen Nord- und Vulkaneifel, gilt allein schon als touristischer Geheimtipp, speziell auch in der Künstlerszene. Wenn die Tage kürzer werden, sich Raureif zuckrig über die sanften, bewaldeten Hügel der Mittelgebirgslandschaft legt, winterliche Vorboten im Schlepptau, dann steht auch die Adventszeit bevor und damit der Kronenburger Weihnachtsmarkt, einer der schönsten und heimeligsten seiner Art im Bundesgebiet.
Weiter...

48 Stunden Aberdeen

Im Stadteil Footdee by Udo Haafke
Im Stadteil Footdee Bildrechte: in Reisefotografie
Grau, trist, langweilig – die Synonyme für die drittgrößte Stadt Schottlands, Aberdeen, gemeinhin bekannt als the Granite City, die Granit-Stadt, tendieren überwiegend ins Negative. Zudem genießt sie den zweifelhaften Ruf in einer Schlecht-Wetter-Region im Nordosten des Landes zu liegen. Dort, wo es unaufhörlich nieselt und das schlichte Grau der Gebäude zu einer unansehnlichen, gräulichen Masse mutiert. Wagt sich aber die Sonne hindurch, und dies geschieht entgegen aller gängigen Klischees unvermutet häufig, dann glänzt und glitzert Aberdeen geradezu glamourös und edel.
Weiter...

Bedeutendste Sehenswürdigkeit auf Kos: Das Asklepieion

Aussicht vom Asklipiion by Hihawai
Aussicht vom Asklipiion Bildrechte: in Reisefotografie
Das Asklepieion von Kos ist die mit Abstand bedeutendste archäologische Stätte auf der Insel. Das antike Sanatorium liegt knapp 4 km außerhalb von Kos Stadt in südwestlicher Richtung auf einem von Zypressen bewaldeten Hügel - gleich bei dem Dörfchen Platani. Das Asklepieion von Kos wurde 1902 nach Hinweisen des von Kos stammenden Historikers Iakovos Zaraftis von dem deutschen Archäologen Rudolf Herzog entdeckt und freigelegt. Die Ausgrabungen wurden bis 1904 fortgeführt.
Weiter...
Selcuk Weitere Infos
Anzeigen Reiseangebote