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Kurzreise Aberdeen

48 Stunden Aberdeen

Grau, trist, langweilig – die Synonyme für die drittgrößte Stadt Schottlands, Aberdeen, gemeinhin bekannt als the Granite City, die Granit–Stadt, tendieren überwiegend ins Negative. Zudem genießt sie den zweifelhaften Ruf in einer Schlecht–Wetter–Region im Nordosten des Landes zu liegen. Dort, wo es unaufhörlich nieselt und das schlichte Grau der Gebäude zu einer unansehnlichen, gräulichen Masse mutiert. Wagt sich aber die Sonne hindurch, und dies geschieht entgegen aller gängigen Klischees unvermutet häufig, dann glänzt und glitzert Aberdeen geradezu glamourös und edel.
Im Stadteil Footdee
Weitere BilderAberdeen Beach
Aberdeen Beach Bildrechte: in Reisefotografie
Die Union Street Aberdeens
Die Union Street Aberdeens Bildrechte: in Reisefotografie

Durch die Nähe zu den britischen Nordseeöl–Bohrstellen, durch den geschäftigen Hafen konnte sich Aberdeen in den letzten Jahren zur inoffiziellen Energie–Hauptstadt Europas aufschwingen. Dies gilt sowohl für die fossilen Brennstoffe als auch für die Zukunftstechnologien in Form von Gezeitenkraftwerken und Offshore Windparks. Letztere schlugen wiederholt hohe Wellen in der regionalen Presse durch den umstrittenen Bau eines Golfplatzes, den der nicht minder umstrittene amerikanische Multimillionär Donald Trump in einem Landschaftsschutzgebiet in den Dünen nördlich von Aberdeen trotz heftigen Widerstands anlegte. Trump bestand und besteht noch immer darauf, dass der geplante Windpark vor der Küste nicht gebaut wird, weil er die Aussicht für die Golfspieler nachhaltig beeinträchtigt.

15.00 Uhr. Nach der Ankunft des Mittagsfluges der Lufthansa direkt aus Frankfurt geht es zunächst nach kurzer Fahrt mit dem Taxi an das nördlich des Stadtzentrums gelegene Delta des River Don, der nach zahlreichen eleganten Schwüngen hier in den Atlantik mündet. Der Blick übers Meer verrät sogleich die maritime Betriebsamkeit Aberdeens, angesichts diverser, auf Einfahrt wartender Frachtschiffe. Ein großer, langgestreckter Sandstrand öffnet sich hier gen Süden. An dessen Ende ragt der Navigationsturm des Hafens in den Himmel, der an einen Flughafentower erinnert. Sanft rauscht die Brandung heran, der feine Sand knirscht unter den Schuhen. Mit etwas Glück lassen sich sogar Delfine sehen. Je näher das eigentliche Stadtzentrum rückt, desto betriebsamer werden die Aktivitäten am Strand, Beachvolleyball und Tennis gleich an der Strandpromenade, Kinder wagen gar das Bad im Meer, Eltern genießen das selbige in der Sonne. Weiter oben locken unterschiedlichste Vergnügungsangebote zum Zeitvertreib, das Ganze überragt ein gewaltiges Riesenrad.

17.00 Uhr. Das Dörfchen Footdee, von den Aberdonians liebevoll Fittie genannt, liegt unterhalb des Towers. Freizeitidylle für Lebenskünstler im Schatten mächtiger Hafenanlagen. Im Karomuster geschützt vor Wind und Wetter angelegt, Grünflächen dazwischen, gibt es hier verspielte Schrebergärten und private Ferienhäuschen, Katzen schleichen schnurrend um die Ecken, Wäsche flattert lustig im Wind, Gartenzwerge grinsen herüber. Natürlich fehlt auch die schottische Fahne nicht. In den Fenstern prangt Nippes aus Porzellan, leuchten bunte Blumensträuße. John Smith, der Architekt Fitties, baute auch Balmoral Castle, den heutigen Sommersitz des britischen Königshauses.

18.30 Uhr. Zeit fürs Dinner im Silver Darling. Das mehrfach ausgezeichnete und für das Angebot an Meeresfrüchten weithin gerühmte Restaurant, bildet das kulinarische Glanzlicht des malerischen aberdonischen Außenpostens (thesilverdarling.co.uk). Komplett verglast bietet der Gastraum in der oberen Etage beste Aussichten auf Hafenausfahrt und Meer bei einem gepflegten 3–Gänge Menü, bestehend aus z.B. Ente in drei Variationen, gekochten Heilbutt mit Hummermousse und marinierten Muscheln sowie einem Karotten–Kokospudding zum Abschluss, Preis EUR 55. Der anschließende Dram zum entspannten Ausklang des Abends könnte aus der Glen Garioch Destillerie stammen, der östlichsten Whiskybrennerei der Highlands, bevor es ins gemütliche, familiär geführte 4–Sterne B&B The Jays in der Kings Street geht, Preis ab EUR 70 (www.jaysguesthouse.co.uk).

9.00 Uhr. Nach einem opulenten schottischen Frühstück mit Porridge, Haggis und Black Pudding, von der Wirtin Alice liebevoll zubereitet, führt der Weg ins Zentrum der grausilbern–strahlenden Stadt Aberdeen. Am Tollcross Square ragt eine antike Säule in die Höhe. Auf deren Spitze thront ein weißes schottisches Einhorn, das stolz die Union Street herunterblickt. Imposant auch die Türme des Townhouse und des Marishal College, vor dem Robert the Bruce, schottischer König und Volksheld, mitsamt Pferd Wache schiebt.

10.30 Uhr. Einen Abstecher auf dem Spaziergang durch die Innenstadt lohnt die Aberdeen Art Gallery, ein Kunstmuseum mit ausgezeichneter Gemäldesammlung schottischer Maler aus früheren Zeiten über die Periode der renommierten Glasgow Boys bis zu Jack Vettriano, dem umstrittenen Vertreter zeitgenössischer Malerei in Schottland (www.aagm.co.uk).

12.00 Uhr. Die kleinen Parkanlage Union Terrace Gardens liegt gegenüber His Majesty´s Theatre zwischen den beiden innerstädtischen Hauptverkehrsadern und bilden einen reizvollen, blumenumrankten Farbkontrast zum vorherrschenden Grau georgianischer Architektur. Sie stellen gleichzeitig eine Verbindung in die historische Unterstadt dar, der Merchant Quarter. Dieser mittelalterliche Stadtteil mit seinen Kopfsteinpflastergassen, The Green, Keimzelle des ursprünglichen Aberdeen, besitzt eine ganz eigentümliche Atmosphäre. Kleine Bars, Pubs und Restaurants sind insbesondere bei den Studenten beliebt. Im rustikal eingerichteten Café 52 gibt es kleine Lunchgerichte zu zivilen Preisen. So die regionale Fischsuppe Cullen Skink für EUR 4,80 oder der exotische Portobello–Ziegenkäse Burger für EUR 7,00 (www.cafe52.net).

13.30 Uhr. Das Maritime Museum in der Ship Row beschäftigt sich mit der großen Historie der Seefahrt an der Nordostküste Schottlands und deren Bedeutung für die Wirtschaft und Gesellschaft Aberdeens. Im Zentrum des Gebäudes steht ein Modell einer Ölplattform, die selbst im kleinen Maßstab einen atemberaubenden Eindruck macht und Bewunderung all jenen zollt, die an einem solch exponierten Ort auf offener See ihr Tagwerk verrichten (www.aagm.co.uk).

15.30 Uhr. Der traditionelle Afternoon Tea bekommt im Carmelite Hotel am The Green eine völlig neue Bedeutung mit einer Mischung aus verspielter Exzentrik und britischem Humor. Mad Hatters Tea Party nennt sich die tägliche Veranstaltung bei der zur Begrüßung Sekt fließt, und eine vergnügliche Atmosphäre wie beim Kostümball herrscht (www.carmelitehotels.com).

16.30 Uhr. Nun steht Shopping auf der Agenda. Zwischen der „Granitmeile“ Union Street, Union Terrace, Schoolhill und Upper Kirkgate befinden sich mehrere hundert verschiedene Geschäfte bedeutender Modeketten, Computer– und Medienshops sowie bekannte Kaufhäuser. In der Buchhandlung Waterstones lohnt ein Blick in die Abteilung Regionales, die so manchen Schatz aus der Stadtgeschichte birgt. Gleich fünf moderne Einkaufsgalerien buhlen verschwenderisch um Schaulustige, in Belmont und Rose Street kommen individuellere und etwas exzentrischere Geschäfte zu ihrem Recht. Lange Öffnungszeiten, mindestens bis 20 Uhr ermöglichen einen entspannten Einkauf.

20.30 Uhr. Nach dem Einchecken im Ardoe House Hotel & Spa, das wie ein kleines Schloss auf einer Anhöhe knapp vier Kilometer westlich des Stadtzentrums liegt, wartet ein entspanntes 3–Gang–Menü aus traditionellen Gerichten mit modernen Einflüssen, Preis ab EUR 40. An der Laird´s Bar im Haus sollte die Wahl einen Fettercairn–Whisky treffen, der aus dem Süden Aberdeenshires kommt. Modern gestaltete Portraits berühmter Schotten grüßen von den Wänden (www.mercure.com/gb/hotel–6626–mercure–aberdeen–ardoe–house–hotel–and–spa/index.shtml).

8.30 Uhr. Ein erfrischendes Bad vor dem Frühstück im Wellnessbereich des Hotels läutet den Tag der Abreise ein. Zunächst ist der Leuchtturm von Aberdeen das Ziel im Süden des Hafens und des Dee Deltas. Von hier aus bietet sich eine zauberhafte Aussicht über die eindrucksvollen Hafenanlagen auf die Skyline der Stadt, auf das Kleinod Fittie und die schier endlose Strandpromenade. Beeindruckend auch die Ein– und Ausfahrmanöver der Ozeanriesen. Aber Vorsicht: hier oben pfeift der Wind sehr ordentlich.

10.00 Uhr. Aberdeen Old Town etwas nördlich der Innenstadt wird beherrscht vom Kings College, der drittältesten Universität Schottlands. Signifikant die offene Kronenkuppel der Kirche auf dem geschichtsträchtigen Campus. Die High Street flankieren historische Gebäude aus dunklem Sandstein. Sie bilden einen starken Kontrast zum modernen würfelförmigen Gebäude der Sir Duncan Rice Bibliothek, die sich in Sichtweite mit ihrer urwaldähnlichen Fassade erhebt und schon einige Architekturpreise einheimsen konnte.

11.00 Uhr. Noch schnell einen Blick in die ehrwürdige St. Machars Kathedrale mit ihrer eindrucksvollen Kassettendecke geworfen und dann eine kurze Wanderung durch den Seaton Park hinüber zur Brig o`Balgownie, der ältesten mittelalterlichen Brücke Schottlands, die sich inmitten dichten Baumbestandes hoch über den Don wölbt. Studenten feierten hier oft ihre bestandenen Examina mit einem Sprung aus 17 Metern in den dahinplätschernden Fluss. Dieser Übermut wollte mit so manchem Knochenbruch bezahlt sein. Nach knapp 10 Minuten Taxifahrt ist der Flughafen wieder erreicht.

Information: Aberdeen www.visitaberdeen.com

Anreise: Lufthansa bedient die Route Frankfurt – Aberdeen drei Mal am Tag, Rückflugticket ab EUR 160 (www.lufthansa.com), Mietwagen am Flughafen verfügbar, Taxi ins Stadtzentrum kostet etwa EUR 15.

Unterkunft: Ein besonderes Aberdeen–Phänomen sei hier erwähnt: zwischen Montag und Donnerstag ist es zeitnah so gut wie unmöglich ein Hotelzimmer in der Stadt zu bekommen. Durch die Beschäftigten in der Ölförderung und –industrie haben die Übernachtungsbetriebe der Stadt nahezu eine 100 % Auslastung. (Ende Reisebericht)

Weitere Artikel Kurzreisen

Reisebericht von Udo Haafke, bei Hihawai.com veröffentlicht am 2014-09-26T13:05
Letzte Änderung: 26.09.2014 um 13:24 Uhr
Copyright: ARR - Link: http://www.die-fotos.de

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